Sprudelnde Finanzquellen für Kommunen

12.10.2011 Bioenergie-Region Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder - naturkraft-region, Hessen

„Das was am Ende interessiert, sind die finanziellen Einsparungen!“ Mit diesem Satz konnte Mathias Linder vom Hochbauamt der Stadt Frankfurt zum Schluss seines Vortrags wohl alle Anwesenden von den Vorteilen des Energiemanagements überzeugen.

Zur Veranstaltung der naturkraft-region waren Teilnehmer aus Politik und Verwaltung in die Radko-Stöckl-Schule nach Melsungen gekommen, um sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zukunftsfähige Energieversorgung“ zum Thema kommunales Energiemanagement zu informieren.

In Frankfurt konnten durch das Energiemanagement der öffentlichen Liegenschaften in den letzten 15 Jahren etwa 90 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen generiert werden, Mathias Linder zeigte, dass für jeden Euro, der in diesem Bereich eingesetzt wurde, etwa 3 Euro zurückfließen. Die Stadt bearbeitet dabei vor den investiven Maßnahmen wie Sanierung oder Bau neuer Heizungsanlagen zunächst zwei Bereiche, die ein noch höheres Kosten-Nutzen-Verhältnis versprechen: Energiecontrolling und Betriebsoptimierung.

Als ersten Schritt schlägt Linder den Kommunen das Energiecontrolling vor, bei dem alle energierelevanten Daten gesammelt und ausgewertet werden. Ein kontinuierliches Monitoring führt zu einem höheren Bewusstsein über den Energieverbrauch und kann etwa 5% der Gebäudeenergie einsparen. Der Vorteil ist, dass diese Maßnahme kaum zusätzlichen Aufwand erfordert, die Kosten also entsprechend gering sind. Demgegenüber stehen hohe Einsparungen, auf einen eingesetzten Euro fließen fünf bis zehn Euro zurück.

Aufbauend auf das Energiecontrolling kann eine Betriebsoptimierung geschehen: Sind die Heizkurven richtig eingestellt? Ist die Grundtemperatur angemessen? Werden Beleuchtungen bei Tageslicht abgeschaltet? Bei allen Schritten müssen die Hausverwalter und Gebäudenutzer mit einbezogen werden, in Frankfurt profitieren sogar die Schulen direkt von den eingesparten Kosten, indem ihnen ein Teil des gesparten Geldes zur Verfügung steht. Dadurch wird ein zusätzlicher Anreiz geschaffen. Das Einsparpotenzial bei der Betriebsoptimierung liegt etwa bei 15 % und für jeden eingesetzten Euro in diesem Bereich erhält man zwischen 3 und 5 Euro zurück.

Erst als letzten Schritt empfiehlt Linder die investiven Maßnahmen. Diese sind nur sinnvoll, wenn die Potenziale durch Energiecontrolling und Betriebsoptimierung bereits ausgeschöpft sind. Zwar haben investive Maßnahmen, Sanierungen oder Neubau in Passivhausstandard Einsparpotenziale von 30%, jedoch sind diese mit sehr hohen Investitionskosten verbunden und das Kosten-Nutzen-Verhältnis liegt „nur“ bei 1:1 bis 1:2.

Mit diesen Maßnahmen hat es Frankfurt geschafft, die komplette Abteilung Energiemanagement mit zehn Mitarbeitern ohne zusätzliche Kosten zu finanzieren und darüber hinaus dem Haushalt noch rund 90 Mio. Euro zu sparen.

Energiemanagement macht sich selbst bezahlt

Dirk Schnurr, Energiebeauftragter des Schwalm-Eder-Kreises zeigte, wie durch ein seit 15 Jahren erfolgreiches Energiemanagement auf Landkreisebene Wasser, Strom und Wärme eingespart werden kann. So konnten durch aktive Maßnahmen der Wasserverbrauch um 31% und der Wärmeverbrauch um 38% gesenkt werden. Dies bedeutet nicht nur eine Reduzierung der CO2 Emissionen um 73%, sondern spart dem Kreishaushalt etwa 1,6 Mio. Euro im Jahr. Neben dem Energiemanagement kümmert sich Dirk Schnurr auch um Öffentlichkeitsarbeit, Energiebildung und Kampagnen, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen.

Dr. Brigitte Buhse, Projektleiterin der naturkraft-region, erläuterte in ihrer Abschlusspräsentation die Fördermöglichkeit des Landes Hessen für einen Energiemanager. Gerade in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Schwalm-Eder mit vielen kleinen Kommunen, bietet es sich an, dieses interkommunal zu organisieren. „Viele Kommunen arbeiten bereits im Bereich der Bauhöfe, des Rechnungswesens oder der Standesämter zusammen, um Synergieeffekte zu schaffen, Kosten zu reduzieren oder den Bürgern einen besseren Service bieten zu können. Auch über den Einsatz eines gemeinsamen Energiemanagers solle nachgedacht werden, denn der finanziere sich durch die Einsparungen nicht nur selbst, sondern erwirtschafte eine Entlastung der Gemeindekassen“, berichtete sie. Informationen zum Förderprogramm können interessierte Kommunen bei der naturkraft-region (www.naturkraft-region.de) oder unter 06677-919030 erhalten. Auf der Webseite stehen alle Präsentationen der Veranstaltung zur Verfügung.