Alternativen zum Mais: Bioenergie-Region ist Vorreiter

29.11.2011 AktivRegion Nordfriesland Nord, Schleswig-Holstein und Hamburg

Deutschland setzt auf die Energiewende, die Bioenergie wird dabei eine entscheidende Rolle spielen – und bei der Entwicklung von nachhaltigen Nutzungsformen für Biomasse gehört der Norden Nordfrieslands zu den Vorreitern. Das zeigte eine Vortragsveranstaltung am Mittwochabend in der Gemeinschaftsschule Bredstedt. Sie machte deutlich, dass in der als Bioenergie-Region anerkannten AktivRegion Nordfriesland bei der Suche nach Alternativen zum Mais als Substrat für Biogasanlagen viel getan wird.

 

„Die Vermaisung der Landschaft erregt die Gemüter“, erklärte der Bioenergie-Projektmanager Dr. Thorsten Schmidt-Baum; die Veranstaltung wolle zur Versachlichung des Themas beitragen. Vor allem Dr. Edgar Techow, Fachbereichsleiter Pflanzenbau bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, dürfte so manchen aus dem fast 100köpfigen Publikum mit seinen Fakten und Einschätzungen ins Grübeln gebracht haben.

 

Zunächst mit Zahlen, die den Eindruck von der „Vermaisung der Landschaft“ relativieren. So werden 32 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Schleswig-Holstein als Grünland genutzt, auf 42 Prozent werden Marktfrüchte angebaut und auf lediglich 19 Prozent Mais. In Nordfriesland sind es 20 Prozent (bei 46 Prozent Grünland und 27 Prozent Marktfrucht). Und: Landesweit wird nur rund die Hälfte des Maises für die Biogasgewinnung genutzt, die andere Hälfte als Viehfutter.

 

Denn Maissilage sei für Rinderhalter wirtschaftlich höchst interessant und könne den Import von Leistungsfutter reduzieren. Der verstärkte Maisanbau der letzten Jahre habe dabei weniger mit der züchterischen Entwicklung als vielmehr mit Klimaveränderungen zu tun. Denn erst der zu beobachtende Temperaturanstieg mache die Pflanze in der hiesigen Witterung verlässlich und leistungsfähig. Techow: „Ohne den Klimawandel wäre Mais hier gar nicht wirtschaftlich anbaubar.“

 

Seine Tochter Anna Techow, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Kieler Christian-Albrechts-Universität, berichtete dann von Anbauversuchen mit Mais, Gräsern und verschiedenen Fruchtfolgen sowie Düngungstechniken in der Marsch bei Dagebüll. Erste Ergebnisse der Studie, die noch läuft und darum nicht endgültig ausgewertet ist, deuten auf die Eignung von heimischen Gräsern als Energiequelle in beträchtlichem Umfang hin.

 

Dass die Suche nach weiteren Alternativen zum Mais in der Bioenergie-Region Nordfriesland Nord ebenfalls im Gang ist, zeigte Dr.-Ing. Holger Schneider vom Institut für Chemische Technologie der Fachhochschule Flensburg auf. Ermittelt hatten Wissenschaftler und Studenten die anfallenden Mengen und energetischen Potenziale von Gras aus dem dritten und vierten Schnitt, Landschaftspflegegrün, Knickholz, Gülle, Biomüll, Klärschlamm, Binsen und Treibsel sowie Reststoffen aus der Lebensmittelindustrie.

 

Die Berechnungen zum gemähten Grün von Straßen- und Wegrändern brachten zwar ernüchternde Ergebnisse (Masse zu gering, Qualität zu schlecht). Bei Gras, vor Ort anfallenden Speiseresten und Biomüll und sogar bei Binsen von Naturschutzflächen werden dagegen durchaus noch nicht erschlossene Möglichkeiten für die Biogasgewinnung gesehen. Ganz besonders aber bei Gülle, deren Vergärung durch das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz ab dem nächsten Jahr auch besser gefördert werde. So fallen in der Bioenergie-Region Nordfriesland Nord mit einem Tierbestand von 25.000 Milchkühen, 72.000 Rindern und 96.000 Schweinen jährlich rund eine Million Tonnen Gülle an. Dies würde nach Schneiders Angaben insgesamt fast acht Megawatt Blockheizkraftwerks-Leistung bedeuten.

 

www.aktivregion-nf-nord.de

[von: Bioenergie-Region Nordfriesland Nord]